Die Via Priula ist eine der faszinierendsten historischen Routen in den Robenser Alpen, eine Handelsstraße, die zwischen 1592 und 1593 auf Veranlassung des venezianischen Podestà Alvise Priuli gebaut wurde, mit dem strategischen Ziel, Bergamo mit dem Veltlin zu verbinden und dabei die Gebiete des Herzogtums Mailand zu umgehen. Diese neue Verkehrsader, die Priuli selbst als “eine in den Fels gehauene Straße” bezeichnete, stellte für die damalige Zeit ein außerordentlich innovatives technisches Werk dar: eine breite, sichere Straße, die von Wagen und Lasttieren befahren werden konnte, um den Handelsverkehr der Serenissima anzukurbeln, ohne Zölle an die Mailänder zu zahlen.
Die ursprüngliche Route begann in Bergamo, führte durch das gesamte Valle Brembana und erreichte Mezzoldo, wo der große Aufstieg zum Markuspass begann. Entlang der Strecke wurden Schluchten, Canyons, waghalsige Brücken und aus dem lebenden Fels gehauene Abschnitte überwunden, wobei man getreu dem Flusslauf des Brembo folgte. Viele dieser Zeugnisse sind noch heute zu sehen und zeugen von der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Weges, der es Händlern, Reisenden und Karawanen jahrhundertelang ermöglichte, die Berge in Sicherheit zu überqueren.
Die heutige Wanderroute folgt in mehreren Abschnitten der alten Route und führt durch Dörfer, die reich an Geschichte und ländlicher Architektur sind, durch alte Zollhäuser, Kantonshäuser und Aussichtspunkte, die einst den Reisenden als Orientierungspunkte dienten. Beim Aufstieg zum San Marco-Pass betritt man das Herz des Orobie-Parks, wo sich ein grandioses Panorama eröffnet: im Süden die Bergamasker Voralpen und das Valle Brembana, im Norden die strengen Gipfel der Rätischen Alpen, die den Blick auf das Valtellina vorwegnehmen.
