Nach dem Dorf Mezzoldo steigt die Provinzstraße Nr. 9 etwa vier Kilometer lang an, bis sie plötzlich in den herrlichen Talkessel von Ponte dell'Acqua mündet, eine der eindrucksvollsten Ecken des oberen Brembanatals. Hier ändert sich die Landschaft rapide: Das Tal weitet sich, die Gipfel erheben sich majestätisch und die grünen Weiden laden zu Wanderungen aller Schwierigkeitsgrade ein, vom einfachen Trekking bis hin zu anspruchsvollen alpinen Klettertouren. In dieser idyllischen Umgebung steht die hübsche kleine Kirche der Madonna delle Nevi, die Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und heute ein Ort der Ruhe und Spiritualität inmitten der Natur ist.
Auf der Provinzstraße geht es weiter durch die beiden kleinen mittelalterlichen Dörfer Castello und Fraccia, wo alte Steine und ländliche Architektur Geschichten von Bergen und Grenzen erzählen. Die Straße führt dann zum San Marco Pass, fast 2.000 Meter über dem Meeresspiegel, einem der wichtigsten historischen Pässe in den Orobischen Alpen. Einst bildete er die Grenze zwischen der Republik Venedig und Graubünden und wurde von der berühmten Via Priula überquert. Heute ist der Pass ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, Radfahrer und Wanderer, die von der Schönheit seines Panoramas angezogen werden.
Vom Gipfel der Wasserscheide aus öffnet sich der Blick in alle Richtungen: Im Süden dominiert das gesamte Valle Brembana, bis hin zur Ebene und an klaren Tagen sogar bis zum fernen Profil des Apennin; im Norden hingegen fällt der Blick hinab ins Valle del Bitto, umfasst das Valtellina und verliert sich in den glitzernden Gipfeln der Rätischen Alpen.
Neben dem Pass steht das historische Kantonshaus, das einst den Wanderern auf der Via Priula Unterkunft bot. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Schutzhütte Rifugio Passo San Marco 2000, ein idealer Landeplatz für alle, die die Berge zu allen Jahreszeiten erleben möchten.
Im Sommer wird diese ohnehin schon außergewöhnliche Szenerie noch durch die Farben der Segel der Gleitschirmflieger bereichert, die oft vom Pass aus starten und durch den Himmel schweben, um in der Nähe des Kantonshauses oder auf der Hochebene von Alta Mora zu landen. Ein Ort, an dem sich Natur, Geschichte und Freiheit zu einem unvergesslichen Erlebnis vereinen.
